Bewusster Leben und Minimalismus

Minimalismus ist mittlerweile nicht nur im Netz ein heißes Thema, wie ihr vielleicht in meinem Beitrag Quarantäne: Meine Vorsätze für mehr Entschleunigung & Nachhaltigkeit im Alltag mitbekommen habt, habe auch ich mir vorgenommen mich etwas mehr mit dem Thema auseinanderzusetzen und vielleicht auch einen minimalistischen Lebensstil anzustreben.

Auslöser ist mein Kleiderschrank. Ich hab vor einiger Zeit meinen Kleiderschrank entrümpelt. Mittlerweile besitze ich einen minimalistischen Kleiderschrank und bin so sehr von dem Ergebnis begeistert, dass ich mir nun auch vorstellen kann, weitere Bereiche meines Lebens in Angriff zu nehmen und zu entrümpeln. 

Benefit

Bei meiner Capsule Warderobe Challenge hat sich herausgestellt, dass es mir garnicht so schwer fällt mich von Kleidungsstücken zu trennen, wie ich befürchtet hatte. Eine noch interessantere Erkenntnis lautet: Es ist ja garnicht so schlimm weniger zu besitzen! Im Gegenteil, passende Outfits raussuchen funktioniert nun leichter und einfacher als zuvor. Ich habe mehr Zeit mehr Platz und mehr Ressourcen. Ich Lebe bewusster in dem ich bewusster einkaufe.

Nur ein Trend oder mehr?

Mittlerweile kommt es mir so vor, als ob die Entscheidung minimalistisch zu leben ziemlich angesagt ist. Irgendwie will jetzt jeder Minimalist werden. Aber was macht diesen Trend so “beliebt“ ? Wie kann das sein, dass dieser Lebensstil so rasant an Popularität gewonnen hat?

Wenn man mich vor 10 Jahren gefragt hätte, ob ich mir vorstellen kann mit nur 15 Klamotten pro Saison auszukommen, wäre ich womöglich erstmal in Stocken geraten. Für  mich die es gewohnt war mehr zu besitzen, wäre das wohl erstmal eine unbequeme Vorstellung gewesen. Mittlerweile besitze ich aber tatsächlich viel weniger Klamotten als früher und es fühlt sich ziemlich gut an.

Die wesentliche Frage, die ich mir nun Stelle ist: Habe ich mich in den letzten Jahren so sehr verändert oder macht unsere Gesellschaft zur Zeit wirklich einen Wandel durch, der unsere Grundhaltung zum Besitz sowie unsere Mentalität und Definition vom wahren Reichtum und vielleicht auch Glück dramatisch verändert?

Konsumgesellschaft

Ich würde es mal so erklären:

Wir leben – überwiegend in westlichen Teilen der Erde – in einer Konsumgesellschaft. Diese beschreibt eine Gesellschaft die versucht ihre Bedürfnisse durch Konsum zu befriedigen. Dabei spielt die in der Industriellen Revolution entstandene Massenproduktion eine ausschlaggebende Rolle, denn sie hat den Weg zu einem übermäßigen Konsum geebnet.

Nur durch einen zahlenden Käufer, wird die Wirtschaft vorangetrieben. Nach dem Motto: Kauf dich Glücklich, wird das Gefühl des Glücks mit dem Besitz bestimmter Güter in Verbindung gebracht. 

Nur leider geht hier eine Sache nicht auf: Materieller Besitz alleine macht nicht glücklich. Das Gefücklsmepfinden hält meistens nur von kurzer Dauer an. Dann kommt noch hinzu das Produkte generell nicht mehr lange halten und wir so noch mehr getriggert werden weiter einzukaufen. Eine Wegwerfmentalität entsteht, weil die Bereitschaft, kurzlebige und schnell ersetzbare Produkte, wegzuwerfen steigt. Prinzipien wie Achtsamkeit, Wertschätzung und Dankbarkeit rücken immer mehr in den Hintergrund oder werden eher gesagt immer mehr verlernt. 

Zeit das kostbarste Gut

Das Verhältnis zu dem was wir besitzen und die Zeit die wir aufwenden den Besitz finanzieren zu können, geht damit einher mehr zu arbeiten. Dies wiederum führt dazu,  dass unsere Zeit immer knapper wird. Denn wir arbeiten mehr, um mehr zu konsumieren.

In Westeuropa besitzt ein Mensch im Durchschnitt c.a 10000 Dinge unter denen einiges ungenutzt bleibt.

Was definiert uns?

 

“Too many people spend money they haven’t earned to buy things they don’t want to impress people they don’t like.” (Will Rogers)

Besitz erfüllt für uns mittlerweile nicht mehr nur die Funktion unsere Existenz zu sichern es wird auch mit Statussymbol in Verbindung gebracht und gibt uns Zugehörigkeit, halt und Anerkennung. Das verlangen mehr und alles zu besitzen ist groß. So groß das wir sogar bereit sind über unsere eigenen Kapazitäten und Ressourcen hinauszugehen. Konsumschulden stellen hier keine Seltenheit dar.

 

Bewusster Konsument?

Vom bewussten Konsumenten – Keine Sicht. Stattdessen ist der Konsument von Impulskäufen geprägt. Ein mündiger Käufer? Wahrscheinlich nicht so ganz. Denn solange Unternehmen unsere Reize steuern können, werden sichere hohe Gewinne erzielt.

Der Konsument verhalte sich ganz ähnlich wie der Kannibale, indem er „die Dinge verzehrt“, um sich ihre „Macht“ einzuverleiben. Im Gegensatz zum Kannibalismus gleiche der moderne Konsument jedoch einem Süchtigen, dessen Habgier, Lüsternheit und Materialismus keinen Unterschied mehr mache, was er verzehrt. Er konsumiere demnach nicht nur Dinge, sondern im weitesten Sinne auch Mitmensch und Umwelt.

Dies ist eine Interpretation der modernen Konsumgesellschaft nach Jack Forbes und prägt unsere aktuelle Kulturkritik ziemlich stark.

Der moderne Konsumwahn gerät immer mehr in Kritik, weil unsere Erde der steigende und unaufhaltsame Nachfrage und damit eingehende höher werden Produktion von Gütern nicht standhalten kann. Die Natur wird ausgeraubt, weil mehr von ihr gefordert wird, als zur Verfügung steht. Klimawandel und Ressourcenknappheit sind einige Folgen die entstehen.

Neben der Natur werden aber auch Menschen ausgeraubt. Denn nicht nur zahlungsfähige Konsumenten tragen zu einem Wirtschaftswachstum bei. Auch billige Lohnarbeiter vermindern Produktionskosten und tragen zu einem maximalen Gewinn bei.

Folgen wie Menschenausbeutung und Kinderarbeit sind hierbei keine Einzelfälle. Mal vom Post Kolonialismus abgesehen, existiert moderne Sklaverei auch Heute noch.

Die Gegenbewegung

Seit einigen Jahren ist eine Gegenbewegung entstanden, die diese Problematik immer mehr in den Fokus rückt und sich vorläufig vom gängigen Konsumwahn verabschiedet. 

Wo befinde ich mich?

Ich konnte eine Sache ehrlich gesagt nie nachvollziehen: Während meiner Schulzeit entschied ich mich dazu – ab einem Arbeitsfähigenalter – in meiner Schulferienzeit zu jobben. Hier konnte ich mir immer das nötige Taschengeld zum “sparen“ und auch für trendige Klamotten erarbeiten. Rechtzeitig zum Schulbeginn war ich mit den angesagtesten Outfits ausgestattet, erhielt meine Komplimente und fühlte mich irgendwie ziemlich ,,Bestätigt“ und ,,Cool“.

Am Ende stellte ich aber bedauerlicherweise fest, dass ich bis auf diesen einen kleinen Moment der Anerkennung, nichts erhalten hatte das mein Leben tiefgründig bereicherte.

Sich auf materielle Dinge zu fixieren hindert uns, in uns selber hineinzuhorchen – das ist mir jetzt auch klar. Ich hab das Gefühl, dass man viel zu sehr nach außen anstatt nach innen gekehrt ist. Das Glücksempfinden das ich beim Kauf neuer Produkte empfinde,  gleicht einem Trugschein, denn es erfüllt mich nicht immer – langfristig gesehen  – mit Freude. Die Frage die ich mir dann stelle ist: Was erfüllt und bereichert mein Leben denn wirklich, wenn es nicht alleine die Produkte sind die ich besitze?

Und wie viel Zeit, Geld und Energie investiere ich im Verhältnis dazu, wirklich sinnvoll für diejenigen Dinge die mein Leben wirklich langfristig bereichern?

Zum Beispiel für meine Gesundheit, meine Bildung, meine Familie, meine Freunde und für Momente ?

Ein Umdenken findet statt…

Back to the Roots 

Minimalismus bedeutet neuen Raum für Dinge im Leben zu schaffen, die uns wirklich glücklich machen. Hierbei geht es nicht nur darum physischen Ballast abzuwerfen. Sondern vielmehr auch darum seelischen Ballast abzuwerfen und sich freier zu fühlen.

Fokus

Wieder den Blick auf das wesentliche richten und Ressourcen für all diejenigen Dinge sammeln die uns wirklich voranbringen.

Besitztum

Ich habe früher immer gedacht, das man erst Minimalist ist wenn man eine bestimmte Anzahl an Dingen besitzt. Ich muss da immer an Dokumentationen Denken, in denen Menschen interviewt werden die sich zum Beispiel dafür entschieden haben, aus nur einem Rucksack zu Leben. Beim Minimalismus geht es aber um etwas ganz anderes. Es geht nicht darum, eine bestimme Zahl an Besitztümern zu erreichen. Es gibt auch keine fixe Menge an Dingen, die aussortiert werden müssen. Was für einen viel zu viel ist ist für andere vielleicht genau richtig. Es geht auch nicht darum Dinge zu zählen, sondern eben viel mehr darum uns wieder mit Dingen zu umgeben die uns glücklich machen.

Verzicht 

Wenn ich an Minimalismus gedacht habe, habe ich im negativen Sinne oft an Verzicht gedacht. Wie kann es sich gut anfühlen, sich in seiner eigenen Entscheidung, konsumieren zu können was man will, einzuschränken. Warum soll ich darauf verzichten mir etwas zu kaufen was ich mir eventuell leisten kann und haben will ?

Loslassen

Loslassen ist nicht immer einfach. Und gewinnt grade hier ein Grundlegende Bedeutung. Sich nicht an Gegenstände zu binden oder beherrschen zu lassen. Platz, Freiraum und Zeit muss man sich nicht unbedingt erkaufen. Lernen loszulassen, kann ebenfalls viel bewirken.

Gewinnen

Am Ende ist der Gewinn der hinter dem Loslassen liegt, dann doch weitaus größer als man vorerst Glaubt. Mehr Zeit, mehr Platz, mehr Geld und vielleicht auch einen freieren Kopf.

Gründe minimalistisch zu Leben

Die Entscheidung minimalistischer zu leben, hat für jeden persönliche Beweggründe. Da gibt es einmal die Begeisterung für die Ästhetik. Bei manch anderer ist es der Umwelt Aspekt und das Bedürfnis, möglichst ressourcenschonend im Einklang mit der Natur zu sein. Und wieder andere ergreifen die Gelegenheit ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen.

Minimalistisch leben=Bewusster leben

Bedeutet minimalistischer Leben für mich auch bewusster Leben? Mag gut sein. Zu mindestens verspüre ich immer mehr den Drang, mein ganzes Lebens stück für stück zu decluttern.

Für mich geht es noch nicht mal darum weniger zu besitzen. Vielmehr möchte ich meine Bedürfnisse besser kennenlernen und meine Aufmerksamkeit wieder auf das wesentliche lenken. Mir geht es darum ganz bewusst Raum und Platz für Dinge zu schaffen die mir etwas bedeuten und meinem Leben den gewissen Purpose verleihen. Ressourcenschonend und somit umweltfreundlicher leben, ist für mich ein erwünschter Nebeneffekt. Ich glaube das es noch mehr Dinge gibt, die mein Leben von Grund auf, langfristig bereichern würden – halt eben anders, als meine langersehnten Lieblingssneaker es womöglich jemals tun würden.

 

 

3 Kommentare zu “Bewusster Leben und Minimalismus

  1. Theresa

    Ein wundervoller Text den Du hier verfasst hast 🤍. Tiefgründig und auf den Punkt gebracht 👌🏻.
    Ich habe mich und meine Gründe für einen minimalistischen Lebensstil sehr oft wiedergefunden 🕊🤍.
    Alles Liebe, Theresa (minimal.struktur 😉)

    • bathibahati

      Hallo Theresa,

      lieben Dank :)))) Es freut mich zu lesen, dass du dich in meinem Text wiedergefunden hast. Ich bin auch gespannt was es so mit mir machen wird, wenn ich mich weniger auf mein Konsum fixiere.

      Bis dahin alles Liebe zurück und einen energiereichen Start in die Woche!

      Bathy <3

  2. […] für Dinge schafft die einem etwas bedeuten. Mehr zu dem Begriff findest du in meinem Beitrag: Bewusster Leben uns Minimalismus. Also eigentlich ganz easy. Aber warum ein Afro […]

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